Nr. 1/1999

Vereinigtes Königreich

Gibt es zu viele nationale berufliche Befähigungsnachweise (NVQ)? Warum weisen sie so große Kostenunterschiede auf?

  Die Qualifications and Curriculum Authority (Behörde für Befähigungsnachweise und Lehrpläne, QCA) soll eine gründliche Überprüfung der NVQ vornehmen. In den kommenden sechs Monaten werden 15 branchenspezifische Beratungsgruppen gebildet, deren Vorsitz führende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft übernehmen werden. Ein Sprecher der Behörde erklärte, daß «durch Überprüfung der einzelnen NVQ unter anderem auch festgestellt werden soll, welche von ihnen nicht mehr den Zweck erfüllen, für den sie geschaffen wurden.»

Die branchenspezifischen Gruppen traten erstmals im Dezember zusammen und werden ihre Arbeit 1999 fortsetzen. Sie werden Referate zum Kompetenzbedarf, zur beruflichen Bildung und zu den Qualifikationen hören. Die Zahl der beruflichen Befähigungsnachweise wird auf 1 700 geschätzt, davon 900 NVQ. Nick Tate, der Leiter der QVA, erklärte, daß unter anderem eine Reduzierung der Anzahl der Befähigungsnachweise erwogen werde. «Meiner Meinung nach gibt es zu viele Befähigungsnachweise - das verwirrt die Arbeitgeber. Ich möchte mit den Arbeitgebern unbedingt darüber sprechen, ob sie flexiblere Befähigungsnachweise wünschen.»

Der Vizepräsident des Institute of Personnel and Development (Institut für Personal und Entwicklung), Trevor Bromelow, hält eine Umgestaltung und Dynamisierung der schottischen/nationalen beruflichen Befähigungsnachweise für erforderlich, um sowohl den einzelnen Betroffenen als auch den Unternehmen und Institutionen die Chance zu geben, ihr internationales Niveau unter Beweis zu stellen. Die Befähigungsnachweise müssen auch besser auf die Gegebenheiten der konkreten Arbeitsplätze ausgerichtet werden, die von S/NVQ-Inhabern besetzt werden. Beschäftigte, die in einer Firma durchaus über ausreichende Kompetenzen verfügen mögen, erfüllen in einer anderen Firma, die Spitzenniveau aufweist, möglicherweise nicht die geforderten Standards. Die S/NVQ sollten nicht nur entsprechend den Bedürfnissen der Arbeitgeber möglichst genau auf vorhandene Arbeitsplätze zugeschnitten sein, sondern auch die Diskrepanzen zwischen den Standards des einzelnen und denen der Unternehmen abbauen. Ferner ist das Institute of Personnel and Development der Ansicht, daß im Zuge der Flexibilisierung der S/NVQ's im Hinblick auf Mobilität und lebenslanges Lernen bei gleichzeitiger Beibehaltung ihrer arbeitsplatzbezogenen Relevanz neben der vollen NVQ-Qualifikation ein gewisser Bedarf nach Zertifizierung und Anerkennung individueller Lernleistungen auf der Ebene einzelner (oder mehrerer) NVQ-Scheine entsteht.

Ein anderer Aspekt der NVQ sind die beträchtlichen Kostenunterschiede im Bereich der Ausbildung von Arbeitnehmern, und dies insbesondere bei Befähigungsnachweisen der Stufe 2. Eine jüngst von der Regierung in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Arbeitsforschung der Universität Warwick ergab, daß die Spannweite der durchschnittlichen Nettokosten für zu NVQ führenden Ausbildungen der Stufe 2 von gut 1 000 UK£ (ca. EUR 1,471) im Sektor Elektrotechnik bis zu knapp 9 000 UK£ (ca. EUR 13,243) im Bausektor reicht. Die Kosten waren meist höher, wenn die Möglichkeit zum Zugang zu einer höheren NVQ-Stufe bestand, weil die Ausbildung stark durchstrukturiert war und sich in beträchtlichem Umfang außerhalb des Arbeitsplatzes abspielte.

«Employers net costs of training to NVQ level 2((57)» April 1998 ISBN 085522 775 3 - erhältlich über DfEE Publications, PO Box 5050, Sudbury, Suffolk C010 6ZQ. Preis: UK£ 4.95 (EUR 7,28) (Tel.: (44-845) 6022260, Fax: (44-845) (44-845) 6033360, E-mail: dfee@prologistics.co.uk

Weitere Informationen erhältlich über:
Qualifications and Curriculum Authority, 29 Bolton Street, London W1Y 7PD, Tel.: (44-171) 5095555 - Fax: (44-171) 5096666 - Internet: www.open.gov.uk/qca

Roy Harrison, Adviser - Training and Development, Institute of Personnel and Development, Camp Road, London SW19 4UX, Tel.: (44-181) 2633286 - Fax: (44-181) 2633333 - E-mail: r.harrison@ipd.co.uk - Internet: www.ipd.co.uk

Quelle: IPD

 

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